Audio-PSS: Entwicklung von Produkt-Service-Systemen in der Tele-Audiologie

Problemstellung & Zielsetzung

Nachlassende Hörfähigkeit ist eine der häufigsten Funktionseinschränkungen im Alter. Sie bedeutet für die Betroffenen eine erhebliche Einschränkung in der Kommunikation und sozialen Teilhabe. In Deutschland wird die Quote hörgeschädigter Menschen laut einer aktuellen Studie mit 15,7% beziffert (von Gablenz and Holube, 2015).

Moderne Hörsysteme unterstützen die Betroffenen bei der Wiedererlangung ihrer Hörfähigkeit. Jedoch bedarf es einer mehrwöchigen und belastenden Eingewöhnungsphase, um das Hörsystem optimal auf die subjektiven Wahrnehmungen einzustellen. Hohe Abbruchquoten sind die Folge. Zwar besteht mit manchen Hörgeräten die Möglichkeit, zur Unterstützung Geräteparameter aufzuzeichnen. Da diese Anpassung aber auf individuellen Daten basiert und der Kunde sein Empfinden nur subjektiv kommunizieren kann, fehlt es an einer kontinuierlichen technischen Unterstützung des Prozesses.

Ziel des Forschungsprojekts Audio-PSS ist es, die Akzeptanz und den Komfort moderner Hörsysteme für Hörgeschädigte zu erhöhen und neue Geschäftsmodelle in der Hörgeräteindustrie zu beschreiben. Hierfür werden innovative Dienstleistungen auf Basis eines vernetzten Hörsystems entwickelt, prototypisch umgesetzt und evaluiert. Diese umfassen die digital unterstützte Hörberatung, Fernanpassung und automatisierte Steuerung von Hörgeräten.

Durch die orts- und zeitunabhängige Unterstützung sind die Funktionen nicht nur in der Anpassungsphase hilfreich, sondern sorgen darüber hinaus für eine komfortablere Bedienung. Im Fokus dieser Dienstleistungen steht sowohl die Verbesserung des Hörerlebens als auch des Betreuungsprozesses für den Kunden. Die durch vernetze Hörsysteme erfassten Daten sind auch für normalhörende Menschen relevant. Audio-PSS zeigt daher ferner auf, wie die Daten für Dienstleistungen außerhalb des Gesundheitsmarktes genutzt werden können, z.B. in Form eines akustischen Restaurantindexes.

 

Empirische Vorgehensweise

  1. Interviews mit Akustikern und Kunden: Durchführung halbstrukturierter Interviews zur Ableitung der Dienstleistungsanforderungen aus Sicht der Akustiker und Kunden
  2. Dienstleistungsmodellierung: Erstellung eines Prozess-, Interaktions- und Ressourcenmodells, Umsetzung in Modellierungswerkzeugen; Gestaltung des Transformationsprozesses durch Beschreibung der Soll-Prozesse
  3. Workshops mit Akustikern und Kunden: Identifikation und Motivation besonders innovativer Anwender, Identifikation von innovativen Dienstleistungen, Modellierung der Prozess- und Ressourcenanforderungen aus Sicht der Kunden und Bestimmung relevanter Fehlermöglichkeiten und Problemstellungen als Basis für quantitative Modellierung
  4. Quantitative Analyse: Planung, Durchführung und Auswertung einer Befragung der Mitarbeiter und Kunden von KIND; Experimental Design: Bestimmung von Präferenzen der Anwender und Bewertung von Dienstleistungsalternativen, Empirische Bestimmung optimaler Rahmenbedingungen der Akustiker für den Innovationsprozess
  5. Cross-Industry-Innovation: Durchführung einer quantitativen Marktanalyse bei normalhörenden potentiellen Kunden, Abschätzung Bedarf und Adoptionsintention inklusive Markteintrittsbarrieren; Durchführung von Business Modelling Workshops
  6. Erprobung und Evaluation: Qualitative Befragung der Nutzer und experimentelle Messungen im Labor; Qualitative und quantitative Befragungen der Nutzer im Feld; Qualitative Befragung unter realen Bedingungen bei KIND-Akustikern und im Feld auf Basis der implementierten technischen Lösung
  7. Szenarien der Dienstleistungsentwicklung: Empirische Bestimmung von Markt- und Technologietrends auf Basis von Patentanalysen und explorativen Experteninterviews, Durchführung Szenarioanalyse und Technology Roadmapping zur Beschreibung zukünftiger Entwicklungen; Beschreibung von Konzepten zur Datennutzung aus Hörgeräten in anderen medizinischen Teilbereichen und entfernten Branchen; Überwindung von Akzeptanzproblemen bei Akustikern und Kunden

 

Projektträger

Projektträger Karlsruhe (PTKA) für Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

http://www.pro-mondi.de/index_files/PTKA_logo.jpg

 

Projektbeteiligte, Verbundpartner, Förderinstitutionen

 

OFFIS-Institut für Informatik OFFIS Logo
KIND Hörgeräte GmbH & Co. KG Kind Hörgeräte Logo
audifon GmbH & Co. KG Audifon Logo
Kompetenzzentrum für Hörgerätesystemtechnik HörTech   Hörtech Logo
Hörzentrum Oldenburg Hörzentrum Oldenburg Logo

Projekthomepage                                                                 www.audio-pss.de

Ansprechpartner

Prof. Dr. Carsten Schultz

Marie Lüngen

Heiner Lütjen

Quelle

Von Gablenz, P., and I. Holube. Prävalenz von Schwerhörigkeit im Nordwesten Deutschlands. HNO 63.3 (2015): 195-214.