Strategischer Wandel von Stadtwerken und Energieversorgern

Problemstellung und Zielsetzung

Vor dem Hintergrund sinkender Margen in den klassischen Geschäftsfeldern sind Energieversorger und Stadtwerke zunehmend bestrebt neue Umsätze durch Dienstleistungsinnovationen zu generieren. Bisher gelingt es jedoch nur wenigen Versorgern innovative Dienstleistungen zu entwickeln und erfolgreich am Markt einzuführen. Laut einer aktuellen Studie der Universität zu Kiel liegt der Umsatzanteil von Dienstleistungen überwiegend unter 10 Prozent am Gesamtumsatz. Weitgehend unerforscht bleiben zudem die relevanten Bedingungen, die verantwortlich für die Diskrepanz in der unterschiedlichen Serviceorientierung von Energieversorgern sind. Während in der Managementliteratur häufig personenbezogene (u.a. Führungswechsel, Bildungsniveau, Amtszeit) oder unternehmensspezifische Faktoren (vergangener Erfolg, Größe etc.) als Ursachen für den Wandel von Unternehmen dominieren, kommen in der Energiewirtschaft besondere industriespezifische Faktoren (kommunale Verpflichtungen, geografische Gegebenheiten) hinzu. Vor diesem Hintergrund werden verschiedene Forschungsansätze und Methoden kombiniert, um Erklärungsmuster für den strategischen Wandel zu identifizieren und bei Energieversorgern Kompetenzen für die systematische Entwicklung von neuen Dienstleistungen aufzubauen.

Empirische Vorgehensweise

1. Messung der Innovativität von Energieversorgern: Ziel des Projektes ist es, die Innovativität von Energieversorgern zu bewerten. Als Surrogat für die näherungsweise Bestimmung der Innovationsorientierung werden neben der Analyse von Geschäftsberichten, die Webseiten der Energieversorger und Artikel in der kommunalen und überregionalen Presse untersucht. Neben der qualitativen Bewertung der einzelnen Produkt- und Dienstleistungsangebote werden textbasierte quantitative Inhaltsanalysen der Innovationen durchgeführt.

2. Eigentümerstrukturen und strategischer Wandel von Energieversorgern: Eigentumsverhältnisse spielen in der kommunal geprägten Stadtwerke-Landschaft eine wichtige Rolle zur Bestimmung der strategischen Ausrichtung der Energieversorger. Ziel des Projektes ist es, Auswirkungen von Eigentümer- und Aufsichtsratstrukturen auf den strategischen Wandel von Energieversorgern zu identifizieren. Im Rahmen eines Mixed-Methods Ansatzes werden dazu ca. 150 Stadtwerke in Deutschland untersucht.

3. Führungseigenschaften und strategischer Wandel von Energieversorgern: Geschäftsführer von Stadtwerken und Energieversorgern unterscheiden sich deutlich in der strategischen Ausrichtung ihrer Unternehmen. Ziel des Projektes ist es, die Auswirkungen von Geschäftsführereigenschaften auf den strategischen Wandel zu innovativen Energiedienstleistern zu analysieren. Im Rahmen eines Mixed-Methods Ansatzes werden dazu ca. 150 Stadtwerke in Deutschland untersucht.

4. Europaweites Benchmarking der Energiewirtschaft: Ziel des Projektes ist die systematische Erfassung der Innovationsleistung verbunden mit der Ableitung zukünftiger Potenziale im Innovationsprozess. Integriert werden klassische Themen des Innovationsmanagement wie Innovationsprozesse, Innovationskultur und Innovationsstrategien bis hin zu Erfolgsfaktoren von Kooperationen, Netzwerken, Dienstleistungen und Big-Data. Jedes Unternehmen erhält dazu eine systematische Auswertung der Innovationsleistung im Vergleich zu anderen EVUs. Darüber hinaus erhält jedes EVU einen Vergleich zu den besten Unternehmen branchenübergreifend, um von Unternehmen zu „lernen“ die systematische Innovationsprozesse etabliert haben. Partner sind die Danish Technical University (DTU), die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie die gemeinnützige Plattform für Innovationsmanagement (PFI).

5. Dienstleistungsaktivitäten und Barrieren von Energieversorgern: Im Rahmen einer Expertenbefragung von 28 Stadtwerke-Vertretern (Geschäftsführer, Vertriebsleiter, Marketingleiter, Innovationsmanager) wurde untersucht, welche Dienstleistungen gegenwärtig am Markt entwickelt werden, wie Energieversorger bei der Entwicklung von innovativen Dienstleistungen vorgehen und welche Verfahren und Methoden zum Einsatz kommen. Darüber hinaus wurden die Herausforderungen und Barrieren bei der Entwicklung von neuen Dienstleistungen identifiziert sowie Eindrücke der Energieversorger über die zukünftigen Entwicklungen von neuen Geschäftsfeldern gesammelt. Eine Übersicht über die Ergebnisse finden Sie hier:

 Publikationen

  • Lütjen, H., Tietze, F. & Nuske, T. (2014). Innovationskooperationen von Stadtwerken - Eine empirische Untersuchung von Treibern und Barrieren. Norderstedt: BoD.
  • Lütjen, H & Tietze, F. (2014). Vom Energielieferanten zum Dienstleistungsinnovator. Zeitschrift für Energie Markt Wettbewerb, 4.
  • Lütjen, H. & Tietze, F. (2014). Kooperativ in die Zukunft. Zeitung für kommunale Wirtschaft, 9.

Projektbeteiligte, Verbundpartner, Förderinstitutionen

  • Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH

Ansprechpartner

Heiner Lütjen