Projekt- und Netzwerkmanagement in der energetischen Quartierssanierung

Knapp 40% des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf den Anwendungsbereich Wohnen. Der gesetzliche Rahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduzierung der CO2-Emissionen macht Maßnahmen zur Energieeinsparung in diesem Bereich unumgänglich. Die energetische Quartierssanierung dient dem Erreichen dieser Zielsetzung.

Ein Quartier ist ein Stadtteil, der für verschiedenste Zwecke genutzt wird. Neben Wohngebäuden sind in Quartieren öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Geschäfte des täglichen Bedarfs und gewerblich oder industriell genutzte Anlagen angesiedelt. Durch beispielsweise die Verbesserung der Wärmedämmung oder einen Austausch der Heizungsanlage wird Wohnen energieeffizienter gestaltet. Die abschnittsweise Sanierung einzelner Stadtviertel resultiert langfristig in energieeffizienten Städten.

Ein Förderer der Quartierssanierung ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die KfW unterstützt die Erstellung von Mustersanierungskonzepten im Stadtteil und ein Sanierungsmanagement zur Koordination der Konzeptumsetzung. Deutschlandweit werden bisher ca. 300 Quartierssanierungen gefördert. Die ersten 62 Projekte werden zudem wissenschaftlich begleitet und unter verschiedenen Aspekten der Sanierung untersucht. In einem weiteren Förderprogramm der KfW wird die Finanzierung oder Subventionierung für Sanierungsmaßnahmen in Wohneigentum, die auch im Rahmen der Quartierssanierung anfallen können, angeboten. 

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Von besonderem Interesse für die Forschung ist in diesem Zusammenhang das eingesetzte Sanierungsmanagement. Die zentrale Rolle in der Umsetzung von Sanierungskonzepten ist bisher nicht hinreichend untersucht. Gerade das detaillierte Zusammenspiel der beteiligten Parteien wirft Fragen auf. 

Das Sanierungsmanagement übernimmt das Projektmanagement der Umsetzung von Sanierungskonzepten. Dazu gehört die Planung, Steuerung und Überwachung des Umsetzungsprozesses. Zentral ist zusätzlich die Pflege von persönlichen Kontakten zu den Beteiligten. Denn neben Gebäudeeigentümern, Planungsbüros und der Kommunalpolitik müssen auch Bewohner und Bürgerschaft über den Prozess informiert und in das Projekt einbezogen werden. 

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Das Projekt- und Netzwerkmanagement des Sanierungsmanagements in der energetischen Quartierssanierung ist aktueller Forschungsgegenstand am Lehrstuhl. Neben der wissenschaftlichen Begleitung von regionalen Quartierssanierungen ist es Forschungsziel, deutschlandweit die Akteursbeziehungen in Quartierssanierungen zu untersuchen. Dies erlaubt Rückschlüsse auf Koordinationsprobleme in akteursübergreifenden Netzwerken, zeigt aber auch, welche Erfolgsfaktoren bei der Ausgestaltung von Netzwerken wesentlich sind und welchen Kontingenzen das Netzwerkmanagement unterliegt. 

Das Projekt wird für eine Dauer von zwei Jahren durch die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (EKSH) gefördert und in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Kiel AG und IPP ESN Power Engineering GmbH durchgeführt. 

 Ansprechpartner:

Julia Kroh M.Sc.

Westring 425, R. 212 
Telefon: +49 431 880-1552 
Telefax: +49 431 880-1166

kroh@bwl.uni-kiel.de