Vom Energieversorger zum digitalen Dienstleister

09.04.2021

Lehrstuhl für Technologiemanagement der Uni Kiel stellt auf der Hannover Messe die Ergebnisse der Forschungsprojekte „Erfolgsfaktoren der Energetischen Quartierssanierung“ und „Digitale Transformation von Energieversorgungsunternehmen“ vor und zeigen wie die digitale Transformation von Energieversorgungs-Unternehmen gelingen kann.

Energieversorger sind von zentraler Bedeutung für die Energiewende. So ändert sich durch den Einsatz neuer Energiequellen und die Relevanz digitaler Technologien nicht nur die Art der Energieerzeugung, sondern auch das Geschäftsmodell der Unternehmen. Vom Anbieter von Energieprodukten müssen Energieversorger zu digitalen Dienstleistern werden, die in einem komplexen System von miteinander verbundenen Akteuren agieren. Wie Energieversorgern diese Transformationsaufgabe gelingen kann, untersucht der Lehrstuhl für Technologiemanagement am Institut für Innovationsforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Beispielprojekte und Maßnahmen aus der Praxis werden ab dem 12. April im Rahmen der Hannover Messe auf dem digitalen Gemeinschaftsstand „Schleswig-Holstein als Vorreiter der Energiewende“ der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) vorgestellt.

Durch digitale Transformation und Energiewende werden Energieversorger immer stärker von anderen Unternehmen der eigenen Branche und marktfremden Akteuren und ihren Kunden abhängig und damit zu einem Bestandteil komplexer Innovationsökosysteme. Zur Bereitstellung von Ladeinfrastrukturen der Elektromobilität und darauf aufbauender Mobilitätsdienstleistungen im Quartier sind Energieversorger bspw. von der Automobilindustrie und der Batterieentwicklung abhängig – daran muss sich das Denken und Handeln von Energieversorgern anpassen. Für die Umsetzung kommt es immer mehr darauf an, unterschiedliche Stakeholder wie Kundinnen und Kunden, Gemeinden, Verwaltungen, Politik oder die Beschäftigten der Unternehmen selbst in Transformationsprozesse einzubinden.

„Die Fähigkeit von Unternehmen, auch skeptische Stakeholder einzubinden, entscheidet letztendlich über den Erfolg von großen Energieprojekten, zum Beispiel zur energetischen Quartierssanierung“, fasst Professor Dr. Carsten Schultz, Leiter des Lehrstuhls für Technologiemanagement zusammen. „Daher untersuchen wir in einem ganzheitlichen Forschungsansatz, wie der Auf- und Ausbau von diesen Fähigkeiten zu einem Gelingen der nötigen Transformation beitragen kann.“ Mögliche Maßnahmen können zum Beispiel Quartiersprojekte sein, bei denen Energieversorger mit verschiedenen Akteuren der Umgebung zusammenarbeiten, um gemeinsam Smart-City-Lösungen zu entwickeln oder Ideenkampagnen in Unternehmen sein, bei denen Beschäftigte eigene Ideen einbringen können. „Werden die Beteiligten aktiv in den Innovationsprozess eingebunden, stärkt das ihre Motivation und die Akzeptanz von Transformation“, so die Erfahrung von Dr. Julia Kroh, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl. Das Team führte Studien mit mehreren Energieversorgern durch und initiierte dort Ideenkampagnen zum Thema Digitale Innovationen. Die Umsetzung begleiteten sie mit qualitativen und quantitative Befragungen von Führungskräften und weiteren Beschäftigten.

Während dieser Ideenkampagnen reichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über einen begrenzten Zeitraum eigene Vorschläge zur digitalen Zukunft ihres Unternehmens ein, von der Optimierung von Arbeitsprozessen bis zu Ideen für neue digitale Produkte, Dienstleistungen und Online-Angebote. „In unseren Studien wurde der Bedarf an solchen Kampagnen deutlich: Bei den Energieversorgern gaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb von 14 Tagen über 300 Ideen ab, von denen viele direkt im Unternehmen umgesetzt wurden oder zu neuen Innovationskonzepten führten“, sagt Kroh. Die eigenen Ressourcen zu fördern, sei daher ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen, um in den Innovationsökosystemen der sich wandelnden Energiewirtschaft nicht nur zu bestehen, sondern diese auch zu gestalten und weiterzuentwickeln. 

Informationen zu allen Projekten der CAU auf der Hannover Messe unter https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/081-hm-cau